Neugestaltung von Skulpturen

Wenn eine Restaurierungsfirma ungewöhnliche Dinge tut, horcht die Umwelt mit Recht auf. So geschah es auch, als wir im Jahre 2000 mit der Umgestaltung von historischen Skulpturen begannen und diese in Eyecatcher verwandelten. NEIN, man beachte, nicht historische Figuren, sondern Abformungen oder Repliken von historischen Figuren! Man kann auch sagen, übrig gebliebene Muster von damals neuen Werkstoffen, die sich seit Beginn der Abformungswelle in den 70er Jahren in den Firmendepots auf rund 50 Exemplare angesammelt hatten.

Man muß auch wissen, daß in den 90er Jahren neue Formen und Dekorationen gesucht wurden, die dann durch zeitgenössische Künstler in Sakral- und Profanräumen und an deren Wand- und Gewölbeflächen umgesetzt wurden. Die Entwicklung der Malerei ging also weiter. Ganze Kirchenräume wurden modern gestaltet – nur das Inventar nicht. Eine Marktlücke?

Diesen Aspekt griffen wir auf und gestalteten die Abgüße in einer übersteigerten, expressiven Farbgebung, zum einen, um der modernen Ausmalungswelle zu begegnen, zum anderen, um auch Personen zu erreichen, die sich für moderne Kunst und außergewöhnliche Skulpturen interessieren. Es war ein großes Wagnis und Risiko, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. So entstanden in den letzten Jahren rund 30 neue Skulpturen, die zum Blickfang oder Eyecatcher geworden sind und sich der Kritik der Betrachter unterwerfen müssen. Manches gefällt, manches regt zum Schmunzeln an, anderes wiederum wird kritisiert- eine Polarisation, die zu erwarten war und sicherlich auch angebracht ist.

Unser hauptsächliches Ziel war dabei, daß sich die Betrachter stärker mit der dargestellten Skulptur auseinandersetzen– unabhängig davon, ob es sich dabei um seine sakrale oder profane Darstellung handelt. Dazu wurde als Instrument die übersteigerte, expressive Farbigkeit gewählt, die auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich erscheint, aber im Zusammenhang mit der Metamorphose steht, die die Figur durchläuft: Ein hochangesehener Abt des 11. Jahrhunderts wird zum Superman des 21. Jahrhunderts. Ein Bischof mit Kirchenmodell wird mit dem Erzbischof von Köln verglichen, der 12 gleiche Kirchen besitzt, etc.

Die auf diese Weise entstandene Sammlung von Eyecatchern und Neugestaltungen hat ihren festen Platz im Ausstellungstraum in Paderborn-Marienloh gefunden und soll nun auf weitere Reise gehen – wohin? Da, wo sie gewünscht wird.