Umgestaltung von zweidimensionalen Objekten

Der Begriff “Umgestaltung” ist im Zusammenhang mit der “Neugestaltung von Skulpturen” an sich nicht geläufig. Dennoch haben wir diesen Bereich mit erwähnt, da es in Künstlernachlässen durchaus Objekte gibt, die nicht bekannt oder interessant sind oder durch Einschränkungen oder mangelnde Qualität oft aussortiert werden. Da der Bereich “Eyecatcher” (Blickfang) in seiner Ausrichtung durchaus vergleichbar ist, haben wir bei diesen “übrig gebliebenen Objekten” ähnliches versucht, also die Erzielung eines optischen Blickfangs, der zum Nachdenken anregen soll. Hier einige Beispiele:

1.0) Gemälde “Bergwanderung” – Umgestaltung nach Brandschaden

Das Gemälde befand sich in Privatbesitz und zeigt eine Personengruppe (Mongolen ?) die über zwei Bergkämme ziehen- gerahmt in einen vergoldeten Stuckrahmen.  Infolge eines Zimmer- brandes wurde das gesamte Inventar stark beschädigt und verrußt. Beim Eintreffen der Feuerwehr wurde neben Löschpulver auch Wasser und Schaum verwendet, wodurch sich weitere Schäden am Inventar ergaben. Das v.g. Gemälde zeigte zahlreiche Wasserläufer, wodurch weitere Firnis-krepierungen entstanden und das Gemälde nicht mehr zu restaurieren war. Der Umfang der Privatsammlung umfasste knapp 90 Einzelbilder, die später konservatorisch bearbeitet wurde. Dieses Gemälde wurde uns vom Eigentümer überlassen und blieb zunächst 2 Jahre unbehandelt im Depot. Erst danach fassten wir den Entschluß, das un-restaurierbare Gemälde in völlig neuer Weise, in Korrelation mit den Eyecatcher neu zu gestalten- oder besser gesagt: “Umzugestalten“.

In freier Regie und ohne Vorgaben wurde der “Umgestaltung” Raum gegeben. Dabei wurde zunächst eine rückseitige Tischlerplatte zur Stabilisierung angebracht. Anschließend wurden vorderseitig in Form eines Rechtecks mit inneren Diagonalen Metalleisten im Abstand von rd. 10 cm vom Bilderrahmen aufgeschraubt. Diese wiederum wurden mit farbigen Lacken ausgefüllt, sodaß sich in versch. Bereichen Komplementärtöne bilden konnten. Übergelaufene Farben wurden flächig vermalt und bis zum Rand gezogen. Danach wurden im Bereich der Kreuzungspunkte Klarlacke aufgebracht, die zusätzlich die figürlichen Malereien schützen sollten. Zum Schluß wurde 4 seitig ein Spruch in Klebebuchstaben aufgebracht: Konservieren – Restaurieren – oder im Container deponieren. Dies sollte nochmals den Hintergrund verdeutlichen und zur Anspielung auf einige Objekte der modernen Kunst werden, die häufig nicht mehr verstanden werden und in mancher Beurteilung ihren richtigen Platz im Container finden sollten- aber dies möchten wir selbstverständlich der Beurteilung von “Experten” überlassen.

2.0) Gemälde “Hl. Familie” – Umgestaltung des Hintergrundes

Das stark bewegte Bild der Hl. Familie stammt vom Künstler Alfred Steinke und wurde in den 30-er Jahren gemalt. Es wurde seinerzeit mit einem Ölfirnis überzogen, der im Laufe der nachfolgendemn Jahre stark vergilbte- ein wirkliches Alterungszeichen. Dieses sollte auch so bleiben.

Dennoch entschlossen wir uns zu einem weiteren Versuch, indem wir den Hintergrund des Bildes stark verändert wollten ohne ihn zu übermalen oder durch Firnisabnahme aufzuhellen. So fertigten wir zu den Umrissen des Hintergrundes eine Kunststoffschablone, die den dunklen Malgrund durch Auflage von Silberplättchen aufhellen konnte. Die Schablone wurde im Rahmen befestigt, ohne den urspr. Malgrund zu beeinträchtigen. Schließlich wurden auf dem versilberten Hintergrund die Kürzel/ bzw. Initialen der handelnden Personen aufgemalt: IHS für das Jesuskind, als “Jesus Heilig Seligmachender”- JOS für den Hl. Josef, als Vater Jesu – und schließlich MRA für die Bezeichung Mariens, als Gottesgebärerin.

Durch den “starken Kontrast” des neuen, modernen Hintergrundes zu dem traditionellen, originalen Vordergrund ist nun ein spannender Kontrast entstanden, der das Bild aus der Zeit um 1930 ins 21. Jhd. katapultiert. Wem dies später nicht gefällt, braucht nur die eingesetzte Schablone entfernen und erhält dann das ursprüngliche und unveränderte Bild zurück.

3.0) Gemälde “Hergottswinkel” – Umgestaltung durch expressive Farben

Ein Herrgottswinkel ist ein gestalteter Ort in christlichen Wohnungen oder Häusern, der Christus am Kreuz zeigt. Er liegt oft in einer Zimmerecke („Winkel“). Es ist Brauch, ihn z.B. mit Blumen zu schmücken. Teils dient der Herrgottswinkel auch als Aufbewahrungsort für Rosenkranz, Bibel oder Gesangbuch. Das vorliegende Gemälde stammt aus der Familie Ochsenfarth und wurde wohl in den 1950-er Jahren gemalt. Da die einfache und flache Malerei keinen besonderen Zuspruch erfuhr, diente uns das Bild zur Umgestaltung des Hintergrundes. Dabei wurde ein Kruzifixus aus Messing aufgebracht und der Hintergrund mit farbigen Lackfarben gehöht. Durch diese Veränderungen entstand ein neues, kompaktes Gemälde, das dem Thema dennoch gerecht wird.