Hintergründe

In den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche Kunstgegenstände aus Kirchen und historischen Gebäuden, insbesondere Skulpturen und Gemälde, in die Obhut von kirchlichen und staatlichen Museen überführt (transloziert). Die Gründe dafür lagen u.a. im Vandalismus der Zeit, der Notwendigkeit für eine sorgsamere  Aufbewahrung sowie die Präsentation der Objekte für ein breiteres Publikum.

So wurden besonders wertvolle und gefährdete Kunstobjekte unter Schutz gestellt und den Leihgebern eine originalgetreue Kopie (Abformung) angeboten, die nach dem Abguss originalgetreu farbig bemalt wurde. Es galt die Devise: “Wertvolle und gefährdete Kunstobjekte werden von ihren bisherigen Standorten transloziert und nach einer Konservierung im Museum unter Schutz gestellt; parallel dazu werden von den Originalen spezielle Abformungen angefertigt, die als farbig übereinstimmende Doublette wieder in den Kirchen aufgestellt werden.”

Da bei dieser “Kopierwelle” zahlreiche Formen und Probeabgüsse übrig blieben, stellten wir nun weitere Überlegungen an diese neu zu gestalten. So begannen wir im Jahre 2000 mit der Neu- und Umgestaltung dieser Skulpturen. NEIN, man beachte, nicht historische Figuren, sondern Abformungen oder Repliken von historischen Figuren! Man kann auch sagen, übrig gebliebene Muster von damals neuen Werkstoffen, die sich seit Beginn der Abformungswelle in den 70er Jahren in den Firmendepots auf rund 50 Exemplare angesammelt hatten.

Man muß auch wissen, daß in den 90er Jahren neue Formen und Dekorationen gesucht wurden, die dann durch zeitgenössische Künstler in Sakral- und Profanräumen und an deren Wand- und Gewölbeflächen umgesetzt wurden. Die Entwicklung der Malerei ging also weiter. Ganze Kirchenräume wurden modern gestaltet – nur das Inventar nicht. Eine Marktlücke?

Diesen Aspekt griffen wir auf und gestalteten die Abgüße in einer übersteigerten, expressiven Farbgebung, zum einen, um der modernen Ausmalungswelle zu begegnen, zum anderen, um auch Personen zu erreichen, die sich für moderne Kunst und außergewöhnliche Skulpturen interessieren. Es war ein großes Wagnis und Risiko, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. So entstanden in den letzten Jahren rund 30 neue Skulpturen, die zum Blickfang oder Eyecatcher geworden sind und sich der Kritik der Betrachter unterwerfen müssen. Manches gefällt, manches regt zum Schmunzeln an, anderes wiederum wird kritisiert- eine Polarisation, die zu erwarten war und sicherlich auch angebracht ist.

Unser hauptsächliches Ziel war dabei, daß sich die Betrachter stärker mit der dargestellten Skulptur auseinandersetzen– unabhängig davon, ob es sich dabei um seine sakrale oder profane Darstellung handelt. Dazu wurde als Instrument die übersteigerte, expressive Farbigkeit gewählt, die auf den ersten Blick sehr ungewöhnlich erscheint, aber im Zusammenhang mit der Metamorphose steht, die die Figur durchläuft: Ein hochangesehener Abt des 11. Jahrhunderts wird zum Superman des 21. Jahrhunderts. Ein Bischof mit Kirchenmodell wird mit dem Erzbischof von Köln verglichen, der 12 gleiche Kirchen besitzt, etc.

Die auf diese Weise entstandene Sammlung von Eyecatchern und Neugestaltungen hat ihren festen Platz im Ausstellungstraum in Paderborn-Marienloh gefunden und soll nun auf weitere Reise gehen – wohin? Da, wo sie gewünscht wird.