Umgestaltung unbeachteter Objekte

Unter Umgestaltung verstehen wir zwei- oder dreidimensionale Objekte, die durch Zustand, Aussehen, Wert oder sonstige Minderungen nicht mehr gesammelt, genutzt, verkauft oder anderweitige aufgehoben werden sollen. Die Objekte können weiterhin durch mindere Qualität, Beschädigungen oder unsachgemäße Ergänzungen gekennzeichnet sein. Für diese Objekte haben wir nun einen Plan B) entwickelt, indem wir durch expressive, moderne, augenfällige Umgestaltung ein neues oder anderes Projekt schaffen, das nur in Grundzügen dem Ausgangsprodukt entspricht und durch die Veränderungen zum neuen Kunstobjekt wird.

Wichtig sind und bleiben dabei 3 grundsätzliche Bedingungen, die diese Art der Bearbeitung rechtfertigen oder erfordern. Dazu zählen: das Objekt befindet sich in Privatbesitz und wird dazu ausdrücklich freigegeben; das Projekt ist im Zustand, Aussehen und Wert stark gemindert oder die Neu- oder Umgestaltung verbessert das Aussehen für den Besitzer.

Skulpturen

 

Gemälde

Männlicher Heiliger (?) im Farbbad

Die Skulptur, darstellend einen Männl. Heiligen, zeigte sich in einem abgebeizten Zustand mit minimalen Farbresten. Zwischenzeitlich waren bereits neuzeitliche Ergänzungen an den beiden Füßen, der Plinthe und an Teilen des re. Armes durchgeführt worden. Die ungelenke Körpersymetrie war überdeutlich.

Wir entschlossen uns zum Wagnis einer Umgestaltung, indem wir die Skulptur zunächst mit goldenen Kolibripigmenten bestrichen. Anschließend wurde diese in eine moderne Kunststoffwanne gestellt und mit versch. farbigen Lacken bestrichen, die ihren Auffang auf dem Boden der Wanne fanden. Sicherlich dachten wir bei der Bearbeitung auch an den Weltkünstler Joseph Beuys, der seinerzeit dutrchaus so manches künsrtlerische Wagnis einging und nicht immer verstanden wurde. Unser Ergebnis ist nun durchaus als modern und etwas spektakulär zu betrachten- denn es soll auch den modernen Zeitgeist widerspiegeln, der nicht immer sofort zu erkennen ist.

Ordensheiliger (?) Naturholz

Die Skulptur eines männlichen Ordensheiligen ist noch durch die Klostertracht und das in der Rechten geführte Buch zu erahnen. Alles Weitere ließ sich nur deuten oder vermuten. Die Figur zeigte sich in einem dkl. Holzton, der auf eine Entfernung aller vormaligen Fassungen zurückzuführen war. Insgesamt gesehen war der Ausdruck und die Qualität wenig ansprechend, sodaß  der Vorbesitzer das Objekt “entsorgen” wollte.

Um die Möglichkeit für ein neues Kunstwerk zu erhalten , wurden wir mit einer freien Umgestaltung beauftragt, ohne Vorgaben. Auch in diesem Fall nutzen wir eine einfache Kunststoffwanne als neuen Sockel, auf den wir die Skulptur befestigten. Anschließend wurden 2 Kontrastfarben (Blau – orange) von oben nach unten fließend aufgetragen, die auch den Sockel fließend umfassten. Die dadurch entstandene “neue Skulptur” kann in die Reihe der EYECATCHER eingereit werden, also den Figuren, die einer erhöhten Aufmerksamkeit des Betrachters sicher sein können.

Gemälde “Bergwanderung” – Umgestaltung nach Brandschaden

Das Gemälde zeigt eine Personengruppe (Mongolen ?) die über zwei Bergkämme ziehen- gerahmt in einen vergoldeten Stuckrahmen.  Infolge eines Zimmerbrandes wurde das Gemälde beschädigt und verrußt. Beim Eintreffen der Feuerwehr wurde Wasser und Schaum zum löschen verwendet, wodurch sich weitere Schäden am Inventar ergaben. Das v.g. Gemälde zeigte zahlreiche Wasserläufer und Firniskrepierungen und war nicht mehr zu restaurieren. Dshalb  wurde es uns vom Eigentümer überlassen und blieb zunächst 2 Jahre unbehandelt im Depot. Danach fassten wir den Entschluß, das unrestaurierbare Gemälde in völlig neuer Weise, in Korrelationeu zu gestalten- oder besser gesagt: “Umzugestalten“.

Dabei wurde eine rückseitige Tischlerplatte zur Stabilisierung angebracht. Anschließend wurden vorderseitig in in Diagonalen Metalleisten aufgeschraubt, die mit farbigen Lacken ausgefüllt wurden. Übergelaufene Farben wurden flächig vermalt und bis zum Rand gezogen. Danach wurden im Bereich der Kreuzungspunkte Klarlacke aufgebracht, die zusätzlich die figürlichen Malereien schützen sollten. Zum Schluß wurde ein Spruch in Klebebuchstaben aufgebracht: Konservieren – Restaurieren – oder im Container deponieren. Dies sollte nochmals den Hintergrund verdeutlichen und zur Anspielung auf einige Objekte der modernen Kunst werden, die häufig nicht mehr verstanden werden. wir selbstverständlich der Beurteilung von “Experten” überlassen.

Gemälde “Hl. Familie” – Umgestaltung des Hintergrundes

Das stark bewegte Bild der Hl. Familie stammt vom Künstler Alfred Steinke und wurde in den 30-er Jahren gemalt. Es wurde seinerzeit mit einem Ölfirnis überzogen, der im Laufe der nachfolgendemn Jahre stark vergilbte- ein wirkliches Alterungszeichen. Dieses sollte auch so bleiben. Dennoch entschlossen wir uns zu einem weiteren Versuch, indem wir den Hintergrund des Bildes stark verändert wollten ohne ihn zu übermalen oder durch Firnisabnahme aufzuhellen. So fertigten wir zu den Umrissen des Hintergrundes eine Kunststoffschablone, die den dunklen Malgrund durch Auflage von Silberplättchen aufhellen konnte. Die Schablone wurde im Rahmen befestigt, ohne den urspr. Malgrund zu beeinträchtigen. Schließlich wurden auf dem versilberten Hintergrund die Kürzel/ bzw. Initialen der handelnden Personen aufgemalt: IHS für das Jesuskind, als “Jesus Heilig Seligmachender”- JOS für den Hl. Josef, als Vater Jesu – und schließlich MRA für die Bezeichung Mariens, als Gottesgebärerin.

Durch den “starken Kontrast” des neuen, modernen Hintergrundes zu dem traditionellen, originalen Vordergrund ist nun ein spannender Kontrast entstanden, der das Bild aus der Zeit um 1930 ins 21. Jhd. katapultiert. Wem dies später nicht gefällt, braucht nur die eingesetzte Schablone entfernen und erhält dann das ursprüngliche und unveränderte Bild zurück.

Gemälde “Hergottswinkel” – Umgestaltung durch expressive Farben

Ein Herrgottswinkel ist ein gestalteter Ort in christlichen Wohnungen oder Häusern, der Christus am Kreuz zeigt. Er liegt oft in einer Zimmerecke („Winkel“). Es ist Brauch, ihn z.B. mit Blumen zu schmücken. Teils dient der Herrgottswinkel auch als Aufbewahrungsort für Rosenkranz, Bibel oder Gesangbuch. Das vorliegende Gemälde stammt aus der Familie Ochsenfarth und wurde wohl in den 1950-er Jahren gemalt. Da die einfache und flache Malerei keinen besonderen Zuspruch erfuhr, diente uns das Bild zur Umgestaltung des Hintergrundes. Dabei wurde ein Kruzifixus aus Messing aufgebracht und der Hintergrund mit farbigen Lackfarben gehöht. Durch diese Veränderungen entstand ein neues, kompaktes Gemälde, das dem Thema dennoch gerecht wird.