Neugestaltungen in Eigenregie

Neugestaltungen von Figuren oder Möbeln unterscheiden sich von den bisherigen Neufassungen (Bemalung nach Vergleichsbeispielen oder Vorgaben) dadurch, dass es sich hierbei um eigenständige Neuinterpretationen handelt und die Fassungen sich NICHT nach unterliegenden Befunden oder Stilen richten. Neben den Neugestaltungen (moderne Farbigkeiten) und Eyecatchern (Übersteigerte Farbigkeiten) wurden einige Skulpturen auch historisierend gefasst, d.h. mit Übernahme von Fehlstellen und Ausbrüchen in der Fassung. Durch genaue farbige Übertragung dieser Beeinträchtigungen und Veränderungen konnte bei den Repliken ein Aussehen erzielt werden, dass den Originalen gleichkam. Dieser Effekt wird gerade bei Privatkunden gewünscht, die eine “künstlich gealterte” Oberfläche einer neugefassten Skulptur vorziehen.

  • sakrale Neugestaltungen (SN)
  • profane Neugestaltungen (PN)
  • historisierende Neugestaltungen (HN)

die Skulpturen im Einzelnen:

Heiligen – Rondell (SN-21)

Der Künstlernachlass von Ernst Mischke, einem westfälischen Bildhauer der 30-er Jahre, umfasste zahlreiche Gipsmodelle von sakralen Skulpturen, die später auch in Holz umgesetzt wurden. Die weißen Gipsskulpturen sollten nun einer neuen Bestimmung zugeführt werden und wurden individuell farbig bemalt  und dadurch optisch sehr aufgewertet. Dadurch wurden sie zu einem wirklichen Hingucker, die in verschiedenen Ausstellungen großes Aufsehen erregten. Speziell für diese Skulpturen wurde ein Figuren-Rondell angefertigt, wodurch alle Figuren gemeinsam präsentiert werden können.

Germanische Göttin“ wird zur Madonna (SN-06)
Der Paderborner Metallbildhauer Hugo Bürger hat zeit seines Lebens künstlerische Treibarbeiten in Kupfer hergestellt. Dazu zählt das Relief der Germanischen Göttin Freya mit Sohn Baldur, das der Künstler aus einer zunächst vorgesehenen Sitzmadonna umwandelte. Die Kopie dieses Reliefs wollten wir wieder in eine strahlende Madonna umwandeln und bemalten deshalb das Relief in den Marienfarben Rot, Blau und Gold, wodurch sie wieder christliches Aussehen erlangte.

Heiliger Josef in Metall- und Lüsterfassung  (SN-15)
Der Heilige Josef als Ziehvater Jesu Christi wird meistens in dezenter Kleidung dargestellt und trägt dabei oft ein violettes Untergewand mit braunem Umhang. Dazu trägt er das Jesuskind auf dem rechten Arm und hält in der linken Hand eine Lilie. 
Wir wollten bei einer ähnlichen Kopie des Hl. Josef das Aussehen ändern und belegten die Figur mit Gold und Silber, wobei das Silber anschließend mit rotem und blauem Farblüster versehen wurde. Die Skulptur wirkt dadurch farbig brillianter und kommt noch besser zur Geltung.

Madonna in Farbvariationen (SN-22)
Eine neugestaltete Sitzmadonna, die bildhauerisch noch nicht fertiggestellt wurde,  sollte probeweise in verschiedenen Farbvariationen bemalt werden. Dazu bemalten wir den Gipsabguss zunächst sehr expressiv und starkfarbig als Eyecatcher und in einer zweiten Phase dezenter als Neugestaltung. Nach diesem Experiment soll der Kunde entschieden, wie die Skulptur endgültig bemalt werden soll.  Die sehr unterschiedlichen Farbfassungen dokumentierten die Bandbreite der Gestaltungsmöglichkeiten.

Kreuz der „Göttlichen Barmherzigkeit“ (SN-31)
Die Göttliche Barmherzigkeit zeigte sich im Jahre 1934 im Kloster zu Krakau-Lagiewniki, als Jesus Christus der Ordens-schwester Faustina mehrfach erschien. Aus dem Gemälde des BHJ entstanden zahlreiche  Figuren und Reliefs, die sich weltweit verbreiteten. Aus kleinen hölzernen Schnitzreliefs mit Darstellung des Barmherzigen Jesus wurde nun ein großes Kreuz der Göttlichen Barmherzigkeit angefertigt, daß in der Barmherzigkeitskapelle verehrt wird. 

Putten-Kreuz (SN-32)
In eigener Regie wurde ein moderner Kreuz-balken erstellt, dessen blaufarbiger Hintergrund einem berühmten Gemälde Vincent  van Gogh entnommen ist- dem „Sternenhimmel“. Dieses im eigenen Besitz befindliche Bild vom Fälscher Kujau diente als Hintergrundsmalerei für das Kreuz. Danach erfolgte die Dekorierung mit acht roten Putten, die das Blut Christi versinnbildlichen  und vier weiteren goldenen Putten, die den Kopf und die drei Nagelungspunkte Christi verdeutlichen sollen.

Schnitzrelief „Göttliche Dreifaltigkeit“ (SN-33.0)
Die „Göttliche Dreifaltigkeit“ ist das zentrale Glaubensdogma der Katholischen Kirche. Für die Darstellung der Dreieinigkeit oder des Gnadenstuhles gibt es viele Ausdrucksformen wie Skulpturen und Gemälde. Auf dieser Grundlage wollten wir ein neues Schnitzrelief anfertigen, daß im späteren durch Abformung und unterschiedliche Bemalung in verschiedenen Kirchenräumen seinen Platz finden sollte. Durch die Kooperation mit einem Bildschnitzner im Grödnertal wurde ein Trinitätsrelief entworfen und in Lindenholz geschnitzt, dass dann als Grundlage für weitere Kopien diente. 
Nach der Abformung in Spezialmassen wurden einige weitere Exponate hergestellt, die verschiedenartig polychromiert wurden- manche starkfarbig – andere dezenter in gold und weiß und schließlich mit Metallauflagen in Silber und Gold.

  

Gotische Anna- Selbdritt (HN-61)

die Skulptur stellt die Figurengruppe der Anna-Selbdritt dar, also Anna als Mutter von Maria und Maria mit ihrem Sohn Jesus. Die Originalfigur stammt wohl aus dem 15. Jhd. und wurde in den 80- er Jahren aus der Kirche ins Museum überführt. Die Kirchengemeinde erhielt zuvor eine originalgetreue Kopie, die entsprechend dem Original neu bemalt wurde. Da die Ausgußmaterialien in den 80- er Jahren neu entwickelt wurden, konnte eine Sicherheitskopie in Master- Modellpaste angefertigt werden, die nun zum Ende des 20. Jhd. wiederum museal gefasst wurde.

Barocke Madonna (HN-62)

die Mariendarstellung mit Jesuskind wurde in der Barockzeit geschnitzt. Die Skulptur zeigt eine durchgehende Bewegtheit durch die locker fallende Gewandung der Maria sowie deren gedrehte Körperhaltung.  Das Original wurde wiederum im Museum sichergestellt und stattdessen eine Kopie für den Eigentümer erstellt. Die Zweitkopie wurde dann nach dem Original museal gefasst und durch Reißlacke künstlich gealtert. Dadurch erhält die Skulptur ein museales Aussehen.

Gotische Madonna (HN-63)

die gotische Madonna wurde 1990 im Grödnertal vom Bildschnitzer Senorer nach Vorbildern und Vergleichen neugeschnitzt. Es handelt sich dabei um eine Kopie einer Madonna des weichen Stils (zwischen 1400- 1440). Die Skulptur wurde nach der lasierenden, farbigen Fassung bewußt und künstlich gealtert, indem mechanische Beschädigungen und partielle Entfernungen der Fassung vorgenommen wurden. Ihr Erscheinungsbild ist dadurch sehr qualitätvoll und anmutig.