O3 – März 2022 : Gotischer Leuchterengel – Kopie in Stuckgips

Engeldarstellungen haben in der christlichen Ikonographie eine lange Tradition. In der Gotik sind sie unter byzantinischem Einfluss sehr prachtvoll gekleidet. Mit ihren großen Flügeln und goldigen Gewändern schwingen sie majestätisch in den Lüften oder musizieren. Gotische Engelsfiguren kennzeichnen sich durch die filigrane, idealisierte Linienführung und die ungezwungene Eleganz. Engel  sind auch  „Boten“ oder „Abgesandte“, eine Gattungsbezeichnung für himmlische Wesen (Geistwesen). Engel sind in den Lehren der monotheistischen abrahamitischen Religionen des Judentums, Christentums und Islams Geistwesen in (geflügelter) Menschengestalt, die von Gott erschaffen wurden, diesem untergeordnet sind und als dessen Boten zu den Menschen tätig sind.

Das spirituelle Verständnis von Engeln ist weitgehend dem Tanach (Altes Testament), dem Neuen Testament und dem Koran entnommen. Neben den Schriften des Bibelkanons gehörten spätantike und mittelalterliche Heiligenlegenden, Homilien, Wundergeschichten und volkstümliches Erzählgut wie Sagen und Märchen zu den Quellen für die Vorstellungen von Engeln. Die Vorstellung eines geistigen Wesens neben dem Hauptgott oder den Hauptgottheiten ist im vorderasiatischen Kulturraum altüberliefertes Kulturgut. In den Mythographien Babyloniens und aus den heiligen Schriften des Zoroastrismus sind ähnliche Mittler zwischen Gottheit und Welt zu finden. Bildliche Darstellungen zeigen Engel meist als geflügelte Wesen (Cherubim und Seraphine). Manchmal werden auch in polytheistischen Religionen gottgleiche, aber nicht göttliche Wesen, die das Überirdische vermitteln können, mit „Engel“ übersetzt. Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter „Engel“ jedoch Boten des einzigen Gottes einer der monotheistischen Anschauungen.