O2 – Februar 2022 : “Anna Selbdritt”- originalgetreue Kopie

Anna-Selbdritt (H rd. 60 cm), originalgetreue Kopie in Mastermodellpaste mit farbiger Fassung und Teilvergoldung der Säume- Original um 1500.

Anna-selbdritt bezeichnet in der christlichen Ikonographie eine Darstellung der heiligen Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind. Der Bildtyp gehört zu den Andachtsbildern, die sich im späten Mittelalter und besonders häufig und vielgestaltig herausgebildet haben. Der Ausdruck selbdritt ist ein altes Wort für „Teil einer Dreiergruppe“ oder auch „zu dritt“. Als ältestes bekanntes Bild der Mutter Marias ist die Wandmalerei in der sogenannten Drei-Mütter-Nische aus dem 8. Jahrhundert in der Kirche Santa Maria Antiqua auf dem Forum Romanum in Rom erhalten.

Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts gibt es vermehrt Beispiele bildlicher Anna-selbdritt-Darstellungen, wie beispielsweise in der Nikolaikirche von Stralsund. Typisch für diese frühen Bilder ist die im Vergleich zur heiligen Anna verhältnismäßig kleine, mädchenhaft ausgeführte Marienfigur. Ein besonders bekanntes Gemälde ist eine Darstellung Leonardo da Vincis, die zwischen 1500 und 1510 während seines Aufenthaltes in Florenz entstanden ist. Es sind sehr viele Skulpturen, Gemälde und Altarbilder der Anna selbdritt in den Kirchen Europas erhalten. Gelegentlich wurde die Darstellung auch mit dem heiligen Joachim, dem Ehemann Annas, und den beiden Männern, die sie nach dem Tode Joachims zur sogenannten heiligen Sippe erweitert. Mitunter wird auch Emerentia, die Mutter Annas, zur Gestaltung einer Emerentia-selbviert hinzugefügt. Beispiele für diesen Bildtyp gibt es im Mindener und im Limburger Dom. In Dortmund befindet sich ein Gemälde des Meisters von 1473: Heilige Anna Selbdritt mit vielen Heiligen.