Monatsobjekte: April – Mai – Juni 2022

 

April 2022 : “Puttenkreuz”, besetzt mit Putten und Engeln (Eigenentwurf)

Das “Puttenkreuz” wurde nach eigenen Vorstellungen gebaut und gestaltet. Dabei wurde zunächst ein Holzkreuz aus verleimten Tischlerplatten zusammengefügt und mit seitlichen Alu-Schienen begrenzt. Auf den Holzplatten wurde dann ein ca. 3 cm starker mineralischer Putz aufgebracht, der leicht wellig ist und oberflächenmäßig geglättet wurde. Nach der mineralischen Farbgrundierung wurde eine blau-gelbtonige Marmorierung mit einzelnen Farbnestern aufgemalt und leicht glänzend überzogen. Als Vorlage diente uns ein Gemälde von Vincent van Gogh (Sternenhimmel) dessen blaufarbigen Hintergrund wir übernahmen.

Parallel zur Fertigung des Kreuzbalkens wurden vorhandene Puttenköpfe farbig gestaltet. Die größeren an den vier Kreuzenden wurden ölvergoldet- die kleineren in den mittleren Flächen des Kreuzes in “blutrot”- hier als Erinnerung an die Bluttropfen des Herrn, die er am Kreuz verloren hat. Der Kreuzbalken verbindet nun das Traditionelle (Blaue, barocke Marmorierung) mit den Elementen der Moderne (Kreuzbalken, Alu, starkfarbige Rottöne)

 

Mai 2022 : “Gemälde der Hl. Familie”- Umgestaltung des Hintergrundes

Das Gemälde zeigt die “Heilige Familie” auf der Rast. Als Maler ließ sich Alfred Steinke identifizieren, der das Gemälde wohl zu Anfang des 20. Jhd. gemalt hat.

Das Bild war lange Zeit im Depot untergebracht und fand bis dato keine besondere Wertschätzung. Wir fassten die Idee, das Bild in die Neuzeit zu überführen, ohne es allerdings malerisch zu verändern. Dabei nutzen wir 5 mm starke Kunststoffplatten, die wir entsprechend der Konturen der Personen ausschnitten und innerhalb der Bilderpfalz montieren. Diese eingesetzten Patten können jederzeit wieder entfernt werden und beeinträchtigen das Gemälde nicht.

In einem weiteren Schritt wurden die neuzeitlichen Platten dekorativ in einem gitterartigen Muster gegliedert und versilbert. Dazu wurden einige Farbmusterungen hinzugefügt. Als weiteren Hinweis auf die Heilige Familie wurden schließlich die Abkürzungen der Personen aufschabloniert, im besonderen das Wort “heifa” für Hl. Familie.

 

Juni 2022 : “Frau am Fenster” von Vermeer, org. Kopie durch Chr. Goller

Die Briefleserin (oder brieflesendes Mädchen) am offenen Fenster ist ein 1657 bis 1659 von Jan Vermeer gemaltes Ölgemälde. Damit ist es der Frühphase des künstlerischen Schaffens Vermeers zuzuordnen. Das Bild gehört zur Sammlung der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Bild sicherheitshalber in einem Depot auf der Festung Königstein eingelagert. 1945 wurde es als Kriegsbeute in die UdSSR gebracht, wo es zehn Jahre in einem Depot verbrachte und 1955 gemeinsam mit der Sammlung an die Regierung der DDR zurückgegeben wurde´Ab 2017 wurde das Bild einer umfassenden Restaurierung unterzogen, die im Mai 2020 abgeschlossen war. Ende 2021 war es Zentrum einer Vermeer-Sonderausstellung in der wiedereröffneten Sempergalerie.

Das Bild zeigt eine junge, festlich gekleidete Frau im Profil, die in der Mitte eines Raumes steht. Vor ihr befindet sich ein geöffnetes Fenster. Das Licht fällt auf die Frau. Im Vordergrund steht ein Tisch, auf dem sich ein aufgefalteter türkischer Teppich, an den eine große, flache Obstschale mit Äpfeln, Pfirsichen und Pflaumen gelehnt ist. Wie der Teppich und der Stuhl mit den Löwenköpfen ist sie ein Hinweis auf die Wohlhabenheit dieses Haushalts. Chinesische Porzellanschalen wurden erst in den 1650er Jahren in größerer Zahl nach Europa importiert und finden sich ab diesem Zeitpunkt auch in der niederländischen Interieur- und Stilllebenmalerei.[5]

Das Mädchen schaut auf einen Brief in ihrer Hand hinab, so dass ihr Gesicht für den Betrachter nur aufgrund der Spiegelung im Fenster zu erkennen ist. Nachträglich wurde dem Bild – wie Röntgenaufnahmen von 1979 beweisen – der Vorhang am rechten Bildrand im Vordergrund hinzugefügt sowie ein Cupido-Bild übermalt. Neuere Forschungen ergaben, dass das Cupido-Bild von Vermeer selbst stammt und erst nach dessen Tod im 18. Jahrhundert in Paris übermalt wurde. Deshalb wurde im Zuge einer seit 2017 von Christoph Schölzel durchgeführten umfassenden Restaurierung des Gemäldes auch die Übermalung entfernt und so der Zustand zur Zeit Vermeers wiederhergestellt.[6] Das Bild ist seit dem 10. September 2021 wieder im Originalzustand, also mit Cupido, zu sehen.[7] Der Eros im Bild ist ein deutlicher Hinweis, dass es sich bei dem Brief, den die junge Frau liest, um einen Liebesbrief handelt.[5] Ein weiteres Cupido-Bild im Hintergrund taucht in Vermeers Werk Stehende Virginalspielerin der Londoner National Gallery auf. Das Bild mit dem Amor, der sich auf seinen Bogen stützt, wird über einen Zeitraum von 15 Jahren auch in anderen Bildern Vermeers zitiert, so dass die Forschung vermutet, dass sich das Bild wahrscheinlich in Vermeers Bildersammlung befunden hat, allerdings konnte Existenz und Verbleib dieses Bildes bisher nicht nachgewiesen werden.[8]